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Vom Holzschnitt zur Polymerplatte

 

duerer-apokalypseAlbrecht Dürer: Holzschnitt „Apokalypse“ (1498) Über Jahrhunderte hinweg waren viele Druckschriften für den täglichen Gebrauch alles andere als reich bebildert. Das hatte seinen Grund unter anderem darin, dass die Herstellung von Druckformen zur Wiedergabe von Grafiken sehr aufwändig war. So musste zum Beispiel beim Holzschnitt  (der sogenannten Xylographie) das reliefartig hervorstehende und somit druckende Motiv unter Zuhilfenahme von Schneidmessern in verschiedenen Techniken filigran herausgearbeitet werden. Außerhalb des Hochdrucks standen vor allem der Kupferstich (Tiefdruckverfahren) und die Lithographie (Prinzip des Offset-Drucks) als Reproduktionsverfahren für Bilder zur Verfügung. Im Hochdruck fanden darüber hinaus Linoleum sowie Gummiplatten als Bildstöcke Verwendung.

 

Später löste die Strichätzung die Vorgängerverfahren im Hochdruck weitestgehend ab. Erst durch die Erfindung der Fotografie im Jahr 1826 durch Joseph Nicéphore Nièpce wurde der Weg zu moderneren Herstellungsverfahren geebnet. Einen immensen Fortschritt stellte die aus der Fotografie heraus entwickelte Autotypie (dt.: etwa Selbstschrift), im Deutschen auch Netzätzung genannt, dar. Bei ihr handelt es sich um ein 1880 von Georg Meisenbach in München entwickeltes fotografisches und chemisches Reproduktionsverfahren zur Herstellung von Klischees als Druckform für den Buchdruck.

 

Die Autotypie wurde am 9. Mai 1882 als deutsches Reichspatent mit der Nummer 22244 eingetragen. Angemeldet wurde das Patent durch die Autotype Company in München. Georg Meisenbach hatte in den Jahren 1881 und 1882 das von ihm entwickelte Verfahren erheblich verbesserte. 1884 gelang es seinem Partner Josef Ritter von Schmädel erstmals, eine Liniiermaschine zu konstruieren, mit der es möglich war, Raster aus Glas herzustellen. Fortan war es möglich, neben einfarbigen Linien, Flächen und Punkten auch Halbtonvorlagen zu drucken. Zunächst wurden die Klischees aus Zink oder Kupfer zumeist in speziellen grafischen Anstalten hergestellt.

 

Erst durch die Erfindung sogenannter Polymerplatten – die u.a. mit Handelsnamen wie Nyloprint auf den Markt gelangten – wurde die Klischeeherstellung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erheblich vereinfacht. Klischees aus Polymerplatten finden bis zum heutigen Tage noch in einigen Spezialbereichen, wie zum Beispiel dem Tampondruck, Verwendung.

 

Bei Klischees und Druckstöcken unterscheidet man generell zwischen Originaldruckstöcken sowie Abformungen derselben. Während Holzschnitt, Strich- und Netzätzung sowie Fotopolymerplatten Originale sind, handelt es sich bei Stereo-, Galvano- und Semperit-Klischees lediglich um Kopien, die von den erstgenannten abgenommen wurden.