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 Älter als Gutenberg: der Holzschnitt

 

 

lauteA. Dürer, Holzschnitt in Langholz. Das älteste, bereits vor Gutenbergs bahnbrechender Erfindung bekannte Hochdruckverfahren, ist der Druck von Holzschnitten. Über Jahrhunderte hinweg wurden die Schnitte in Langholz ausgeführt, indem man die Zeichnung spiegelverkehrt in Strichmanier unmittelbar auf die glatt geschliffene Holzoberfläche übertrug und anschließend mit scharfen Klingen alle Partien, die nicht mit drucken sollten,  herausschnitt. Am Ende blieb die Zeichnung erhaben stehen. Feine Abstufungen resp. Schattierungen waren mit diesem Verfahren nicht möglich, so dass kräftige Linien für alte Holzschnitte charakteristisch sind. Und obwohl dieses Reproduktionsverfahren für Bilder seine deutlichen Grenzen hat, gelang es Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Holbein oder Lukas Cranach auf diese Weise, Kunstdrucke von unvergänglicher Schönheit zu schaffen.

 

Die ursprüngliche Form des Holzschnittes ist der Schwarzlinienschnitt,  bei dem die erhabenen und damit druckenden Teile des Druckstocks die Zeichnung wiedergeben. Im Gegensatz zu dieser Technik werden beim  Weißlinienschnitt die Linien der Zeichnung wie eine Gravur in den Holzblock eingeschnitten. Beim Abzug wird somit die Fläche abgedruckt, die eigentlich den Hintergrund bildet, und die Darstellung ergibt sich – nicht druckend – aus den weißen Linien. Der Weißlinienschnitt wurde vor allem im 16. Jahrhundert eingesetzt. Albrecht Dürer verwendete ihn mit seiner negativen Umkehrung zur Steigerung der künstlerischen Wirkung in schwarzlinigen Holzschnitten.


agitatorFaksimileholzschnitt (1877). In der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts entdeckte man das wesentlich härtere Hirnholz als Ausgangsmaterial  für Bildstöcke. Anstelle des Messers wurden nunmehr Stichel zur Bearbeitung des Materials benutzt, wodurch eine freiere Linienführung und feine Tonabstufungen ermöglicht wurden. Aufgrund der Bearbeitungstechnik spricht man hier auch von Holzstichen (Xylographie). Diese sogenannten „Faksimileschnitte“ dominierten über Jahrzehnte hinweg und reichten teilweise von der Qualität her fast an den Kupferstich heran. Doch die Herstellung der Druckformen nach diesem Verfahren war äußerst zeitaufwändig und entsprechend kostspielig. Wesentlich schneller und einfacher konnten Druckformen im Tonholzschnitt produziert werden, der sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts durchsetzte. Während beim Faksimileschnitt das Bild originalgetreu auf das Holz übertragen und vom Holzschneider Strich für Strich und Punkt für Punkt herausgearbeitet werden musste, wird beim Tonholzschnitt das Bild, sofern kein Original vorhanden ist, mit einem Bleistift gemäß seinen Schattierungen auf die mit einer weißen Deckschicht versehene Hirnholzplatte übertragen. Sofern eine Vorlage vorhanden ist, wird von dieser ein Filmnegativ erstellt, das anschließend auf die mit einer lichtempfindlichen Schicht (Chromgelatine, später nach dem Silbernitratverfahren) versehene  Hirnholzplatte belichtet wird. Dieses Verfahren wird auch Photoxylographie genannt.


holstich-tonholzBeispiel eines Tonholzschnittes. Anschließend arbeitet der Holzschneider die Tonwerte heraus, indem er feine und stärkere Strichlagen in die Oberfläche des Druckstocks einsticht. In den Lichtern sind die Linien am feinsten, wobei die hellsten Stellen durch kreuzweise Einschnitte zusätzlich noch einmal in Punkte zerlegt werden. Die Halbtöne indes werden durch stärkere Linien dargestellt, während die dunkelsten Partien weitestgehend in der Form stehen bleiben und nur noch feine Einstiche erhalten. Bei diesem Verfahren muss der Holzschneider es verstehen, die Halbtöne eines Bildes in Striche und Punkte „zu übersetzen“.  Als Material wurde meist Buchsbaum- oder Akazienholz wegen seiner mechanischen Eigenschaften verwandt. Bei größeren Bildern mussten die Platten zuvor aus mehreren Stücken kunstgerecht zusammengeleimt werden. Durch die Industrialisierung verlor der Holzschnitt zunehmend an Bedeutung.  Otto Krüger 1945 in seinem Klassiker   ,Satz, Druck, Einband und verwandte Dinge‘: „Er passt nicht mehr so recht in das hastende Getriebe unserer Zeit, die oftmals die Herstellung zahlreicher Bildstöcke in so viel Stunden verlangt, als früher Wochen bewilligt wurden.“ Hinzu kommt, dass der Markt immer wirklichkeitsnähere  Darstellungen verlangte,  was nur fotografische Verfahren zu leisten vermochten.
Im 21. Jahrhundert gibt es nur noch vereinzelt Künstler, die sich der Kunst des Holzschnittes widmen.