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Die verschiedenen Schriftgrade und ihre historischen Bezeichnungen

 

Von jeder Schriftart fertigt der Schriftgießer etwa 10 bis 20 Schriftgrößen an. Die Schriftgrößen werden Schriftgrade genannt und sind in ihrer Kegelstärke nach Punkten bemessen und immer systematisch, während die Breite (Dicke) der Buchstaben unterschiedlich und un­systematisch ist. Schon die ersten Buchdrucker gaben ihren Schriftgraden Namen, wahrscheinlich um eine bessere Übersicht zu haben und sich untereinander besser verständigen zu können.

 

Nachfolgend die Bezeichnungen der verschiedenen historischen Bezeichnungen für Schriftgrade:

 

1 Punkt Mikroskopig und 2 Punkt Non plus ultra

In dieser Kegelstärke gegossene Schriften sind wegen ihrer mikroskopischen Kleinheit prak­tisch ohne Wert. Im Jahre 1855 wurden dennoch auf der ersten Pariser Weltausstellung ein Satz und ein Abdruck gezeigt, dessen Schrift auf Viertelpetitkegel gegossen war. Mit diesem handwerklichen Meisterstück wollten die Hersteller ihre Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit unter Beweis stellen.

3 Punkt Brillant, 4 Punkt Diamant und 5 Punkt Perl

Auch mit diesen Namen soll darauf hingewiesen werden, wie wertvoll Schriften in diesen Graden sind. Solch winzige Schriftbilder zu schneiden und zu gießen, erfordert von Stempelschneider und Gießer großes hand­werkliches Können. Diamantschrift wurde erstmals 1700 von Voskens, Amsterdam, und Perl 1625 von Jean Jannon, Sedan, geschnitten. Schriftgießereien gießen Brillant-, Diamant- und Perlschriften meist auf Nonpareillekegel. Dadurch wird das Arbeiten mit diesen Schriften erleichtert, das übermäßige Verbiegen und Abbrechen der Buch­staben verhütet und die Verwendung des spunzigen Brillant-, Dia­mant- und Perlausschlusses erspart.

 

6 Punkt Nonpareille

Der Name Nonpareille stammt aus dem Französischen und bedeutet "die Unvergleichliche". Schon 1490 druckte Johannes Frobel mit diesem kleinen Schrittgrad in Basel eine Bibel.

 

6 1/2 Punkt Insertio

Dieser Schriftgrad wurde als Mittelding zwi­schen Nonpareille und Kolonel geschaffen und nach 1900 vereinzelt in Deutschland eingeführt. Es wurde damit beabsichtigt, bei auftre­tendem Papiermangel für den Inseratensatz vornehmlich Insertio­schriften zu verwenden, die es ermöglichten, Raum in jeder Zeile ein­zusparen. Sie waren dennoch gut zu lesen.

 

7 Punkt Kolonel

Von diesem Schriftgrad hören wir erstmals im 18. Jahrhundert. In Frankreich wird dieser Grad Mignon genannt Man nannte die Kolonelschrift auch Jungfernschrift. Petitschrift auf Kolonelkegel führte die Bezeichnung Grobe Kolonel.

 

8 Punkt Petit

In fast allen Druckereien galt dieser Schriftgrad bis ins 18. Jahrhundert als der kleinste, die •Kleine«. Petit hieß früher in Deutschland ebenfalls Jungfer-, Jungfern- oder Jungfrauschrift. In Amerika wird dieser Grad Brevier genannt. Die Bezeich­nung stammt vermutlich daher, dass früher die Breviere, die Gebet­bücher der Geistlichen, damit gesetzt wurden.

 

9 Punkt Borgis

Der Name Borgis ist die Kurzform von Bour­geois = Bürger. Mit diesem Schriftgrad soll der bekannte franzö­sische Buchdrucker Geofroy Tory im 16. Jahrhundert seine ersten kleinen billigen Bücher für die Bourgeois = die Bürgerlichen gedruckt haben. Er machte dadurch auch dem einfachen Mann den Erwerb eines Buches möglich, während vorher die Luxusausgaben nur von den wohlhabenden Bücherfreunden gekauft werden konnten. In Deutschland wird die Bourgeois (meist Borgis gesprochen und ge­schrieben) fast immer auf Garmondkegel gegossen. Zur Unterschneidung mit der Garmondschrift wird sie dann mit einer zweiten Signatur versehen. Als schönster und lesbarster Schriftgrad darf für den Buchsatz der leider viel zu selten verwendete Borgisgrad be­zeichnet werden.

 

10 Punkt Korpus

Diese Schriftgröße soll zum erstmaligen Druck des »Corpus juris« - es war dies ein Gesetzbuch — gegossen worden sein. In süd- und westdeutschen Gegenden wird der Korpuskegel auch Garmond genannt, vermutlich, um den bewundernswerten Schriftschöpfer Claude Garamond (übrigens ein Schüler Geofroy Torys) damit zu ehren.

 

11 Punkt Rheinländer

In Deutschland ist dieser Schriftgrad nicht mehr gebräuchlich, während er in Frankreich, England, Holland, Spanien, Italien und Amerika Verwendung findet. Er wird in diesen Ländern als Mediaan, Filosofia, Maintzer, Descendia bzw. Cicero Lek­tura und Small Pica bezeichnet.

 

12 Punkt Cicero

Die Bezeichnung Cicero ist angeblich darauf zurückzuführen, dass Peter Schöffer im Jahre 1466 die wichtigsten Briefe des römischen Staatsmannes Marcus Tullius Cicero aus einer Schrift in dieser Größe gesetzt hat. Einer anderen Überlieferung zufolge sollen die Drucker Sweynheim und Pannartz in dieser Schriftgröße zuerst die Briefe Ciceros gedruckt haben.

 

14 Punkt Mittel

Dieser Schriftgrad erhielt seinen Namen, als nur sieben Grade in den Druckereien vorhanden waren: Petit, Corpus, Cicero, Mittel, Tertia, Text und Kanon, von denen er der mittlere war.

16 Punkt Tertia

Wie bei Mittel fällt der Ursprung für diese Schriftgradbezeichnung in jene Zeit, wo in den Druckereien nur sieben Schriftgrade geführt wurden, von denen Tertia der dritte von oben herab war.

 

18 Punkt  Parangon

Dieser Schriftgrad ist kaum noch anzutreffen. Der Name stammt aus dem Französischen und bedeutet »Ausgleichung« (nämlich zwischen Tertia und Text).

 

20 Punkt Text

Dieser Name rührt von Gutenbergs Bibeltexten her, die eine ähnliche Schriftgröße aufwiesen. Während der Textschriftgrad nach dem deutsch-französischen Schriftsystem 20 Punkt hat, wird er in Holland mit nur 16 Punkt gerechnet. Als in den Druckereien nur sieben Grade vorhanden waren, bildete der Textgrad die zweite Stufe von oben und wurde daher auch Secunda genannt.

 

24 Punkte Doppelcicero

Der Schriftgrad entspricht der Länge einer halben Konkordanz. Er erfordert keinen besonderen Ausschluß; es können die Halbkonkordanzquadraten der verschiedenen Kegelstär­ken verwendet werden.

 

28 Punkt Doppelmittel.

Früher wurde dieser Schriftgrad in Deutschland auch Roman genannt.

 

32 Punkt Doppeltertia (Kleine Kanon), 36 Punkt - 3 Cicero - (Kanon) und 40 Punkt Doppeltext (Grobe Kanon)

Der Name Kanon ist nicht mehr gebräuchlich und dürfte auf die katholischen Mess­bücher (kanonische, heilige Bücher) zurückzuführen sein, für deren Druck im Mittelalter Schriften in dieser Größe Verwendung fanden.

 

48 Punkt - 4 Cicero-  (Kleine Missal) und 6o Punkt  - 5 Cicero - (Grobe Missal)

Auch der Name Missal wird heute nicht mehr genannt und durch die Bezeichnung vier bzw. fünf Cieero ergänzt. Die Titel der Meßbücher der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters, die Missalen, wurden mit gotischen Schriften in dieser Größe gesetzt, woher der Name Missal stammt.

 

72 Punkt - 6 Cicero - (Kleine Sabon) und 84  Punkt - 7 Cicero - (Grobe Sabon)

Der Name Sabon stammt von einem der ersten Buchdrucker und Schriftgießer des 36. Jahrhunderts in Frankfurt a.M., Jakob Sabon. Schriften in dieser Größe werden heute mit sechs bzw. sieben Cicero benannt.