Die Werkzeuge des Handsetzers
Der Schriftsetzer – die Bezeichnung „Bleisetzer“ etablierte sich erst in den 70 Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Fotosatz zunehmend an Bedeutung gewann und eine Abgrenzung zum traditionellen Handsetzer erforderlich wurde – benötigt nur wenige Werkzeuge für seine Arbeit.
Der Winkelhaken
Das Hauptwerkzeug des Hand- resp. Bleisetzers ist der Winkelhaken. Er wird zum Aneinanderfügen der Buchstaben und Zeilen sowie für schwierige Korrekturen benutzt. Die Grundform des Winkelhakens hat sich über Jahrhunderte hinweg nicht geändert. Er besteht aus einer Winkelschiene aus Neusilber, Messing oder korrosionsfreiem Leichtmetall, die am hinteren Ende – dem Zeilenende – einen festen Abschluss hat, der rechtwinklig in das Profil eingepasst ist. Der vordere Abschluss ist beweglich, damit vom Setzer die verschiedenen Formatbreiten eingestellt werden können. Dieser bewegliche Teil wird in der Fachsprache der Setzer und Drucker auch Frosch genannt.
Die Arretierung dieses beweglichen Teils geschah früher durch Festschrauben oder Einrasten in dafür angebrachte Vertiefungen. Beides ist überholt, durchgesetzt haben sich Winkelhaken mit Klemmvorrichtungen, bei denen durch das Umlegen eines Hebels eingelegte Keile über ein Gewinde, einen Konus oder Exzenter gegen die Schiene gedrückt werden. Neben dem Feststellhebel finden sich am Frosch des Winkelhakens mitunter auch mehrere Schrauben, mit denen etwaige Winkelungenauigkeiten ausgeglichen werden können.
Nach DIN 16 503 waren nur die inneren Abmessungen des Winkelhakens mit 14 Millimeter Höhe und 36 Millimeter Breite standardisiert. Die Gesamtlänge des Winkelhakens betrug 20, 25, 30, 40 oder 60 Zentimeter. Sämtliche andere Abmessungen waren dem Konstrukteur überlassen, dessen Hauptaufgabe darin bestand, einerseits größte Handlichkeit und Präzision und anderseits ein möglichst geringes Gewicht zu realisieren.
Die Setzlinie
Die Ergänzung des Winkelhakens bildet die Setzlinie, eine zwei bis drei Punkt starke Blei- oder Messinglinie in Schrifthöhe und mit einer der Breite der Zeilen entsprechenden Länge. Die Setzlinie hat an beiden Seiten überstehende „Ohren“.
Die Setzlinie wird in den Winkelhaken gestellt, um den zu setzenden Buchstaben einen glatten Hinterhalt zu geben und ein Stoßen der Buchstaben an denen der vorhergehenden Zeile zu vermeiden. Nach Abschluss einer Zeile wird die Setzlinie unter dieser hervorgezogen und für den Satz der nächsten Zeile darüber gelegt.
Sobald der Winkelhaken gefüllt ist, dient die Setzlinie auch zum sicheren Ausheben des Satzes auf das Setzschiff. Die Setzlinie findet darüberhinaus an Stelle des Ablegespanes beim Ablegen Verwendung.
Das Setzschiff
Das Setzschiff dient dem Schriftsetzer zur Aufnahme, Weiterverarbeitung und zum Transport des Satzes. Es nimmt den aus dem Winkelhaken herausgehobenen Satz solange auf, bis die Kolumne gefüllt ist. Anschließend wird diese auf dem Setzschiff ausgebunden und ausgeschossen.
Früher wurden Setzschiffe komplett aus Holz mit doppeltem Boden hergestellt. Der obere Boden des Schiffes, die Zunge, wurde zum Ausschießen mit dem darauf stehenden Satz herausgezogen, auf das Satzbrett oder die Schließplatte getragen und anschließend durch einen schnellen Zug unter dem Satz hervorgezogen. Um das Ausschießen zu erleichtern, war die Zunge mit einem Handgriff versehen.
Später wurden Setzschiffe aus einem Stück gefertigt. Sie bestehen aus einem Zink- oder Leichtmetallboden, der nach drei Seiten durch Winkelschienen, die fest vernietet sind, begrenzt ist. Bestanden die Winkelschienen in früheren Jahren noch aus Mahagoniholz, das auf der Innenseite mit starkem Messingbleck bewehrt war, bestanden die Randleisten später aus Eisenprofilen, die mit dem Boden des Schiffes fest vernietet wurden. Die Innenmaße der Normgrößen der Setzschiffe betrugen 16 x 24 (für DIN A 5), 24 x 32 (DIN A4), 28 x 40, 32 x 48 (DIN A3) und 48 x 64 cm(DIN A2).Als Bodendicke waren für die drei kleinsten 1,9 mm, für die vierte Größe 2,2 mm und für die fünfte 2,6 mm als Normalmaße vorgesehen.
Die Schienen des Satzschiffes haben eine Höhe von 13 Millimeter und stehen an der freien Seite über, damit der Schiffboden lückenlos an das Satzbrett angesetzt werden kann. Der Satz kann so problemlos vom Schiff auf das Satzbrett und umgekehrt geschoben werden.
Ahle und Pinzette
Zum Korrigieren und Ausbinden des Satzes benötigt der Handsetzer außerdem Ahle und Pinzette. Die Ahle sollte klein und handlich sein. Das Heft, in das die Stahlspitze fest eingefügt ist, hat eine glatte Stirnfläche, mit der bei Bedarf aus dem Satz herausragende Buchstaben niedergedrückt werden können.
In besonderen Fällen, in denen die Ahle als Arbeitsmittel nicht ausreicht, hilft sich der Setzer mit einer geschweiften Pinzette. Aber Vorsicht: Obwohl die Schenkel an beiden Enden feilenähnlich ausgearbeitet sind, rutscht man bei unsachgemäßer Handhabung mit der Pinzette schnell ab, wodurch das weiche Letternmetall beschädigt werden kann. Deshalb wird ein versierter Schriftsetzer weitestgehend auf die Benutzung der Pinzette verzichten.
Tenakel und Divisorium
Der Vollständigkeit halber, auch wenn sie längst an Bedeutung verloren haben, seien noch Tenakel und Divisorium genannt. Es handelt sich dabei um einen Manuskripthalter, der ehemals mit zu den wichtigsten Geräten des Schriftsetzers zählte, als noch Bücher Zeile für Zeile per Hand gesetzt werden mussten.
Das Tenakel besteht aus einer mit einer Klemme versehenen Leiste, die am Rand des Schriftkastens befestigt werden konnte. Das Divisorium ist eine Holzgabel, mit der durch Weiterrücken die am Tenakel befestigte Manuskriptseite so geteilt werden kann, dass sich die zu setzende Zeile gerade im Blickfeld des Setzers befindet.
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