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Der Maschinensatz - die Herausforderung in der Technikgeschichte

 churchDie erste von William Church enwickelte Typensetzmaschine. Über Jahrhunderte hinweg  wurden Druckformen im Handsatz hergestellt. Da das Setzen von Hand sehr zeitaufwändig ist, gab es immer wieder Versuche, die Arbeitsabläufe zu optimieren und rationeller zu gestalten. Zunächst durch sogenannte Logotypen , bei denen Silben oder ganze Wörter zusammen auf eine Type gegossen wurden, was jedoch an der Praktikabilität und dem Handling in den Betrieben scheiterte. Im nächsten Schritt  versuchte man, die vergleichsweise langsame Arbeitsweise des Handsatzes durch den Einsatz von Maschinen zu beschleunigen. Das geschah auch vor dem Hintergrund zahlreicher Entwicklungen wie zum Beispiel der Schnellpresse in den Bereichen Drucktechnik und Papierherstellung, die den Produktionsprozess erheblich verkürzten.

 

Zunächst versuchte man den „Flaschenhals“ des Setzens durch die Entwicklung sogenannter Typensetzmaschinen zu überwinden. Der Name verrät es schon: Diese Maschinen verwendeten die herkömmlichen Lettern aus dem Handsatz. Die zu setzenden Zeichen wurden über eine Klaviatur resp. Tastatur eingegeben. Per Tastendruck wurde der Kanal eines Magazins freigegeben, aus dem dann der zu setzende Buchstabe heraus fiel. Die Zeichen wurden nacheinander gesammelt, bis die Zeile komplett war. Das Ausschließen der einzelnen Zeilen sowie das Ablegen nach dem Druck wurden zunächst in Handarbeit vorgenommen, spätere Erfindungen automatisierten aus diese Vorgänge. Der Antrieb der Maschinen erfolgte per Muskelkraft über ein Pedal, per Dampfkraft oder mit Strom.


kastenbeinSetz- und Ablegemaschine von Charles Kastenbein. Das Prinzip der Typensetzmaschine wurde in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Church erfunden. Seine Konstruktion wurde 1822 in England patentiert. Die gesetzten Zeilen mussten einzeln aus der Maschine entnommen und per Hand ausgeschlossen werden. Das Problem des langwierigen Ablegens durch Handarbeit wollte Church durch die kontinuierliche Zuführung neuer Typen umgehen, während das gebrauchte Material wieder eingeschmolzen wurde. Speziell für diesen Zweck entwickelte Church auch eine Schnellgießmaschine.

 

1855 entwickelte Christian Sörensen den sogenannten „Tacheotyp“. Diese Setzmaschine arbeitete erstmals mit speziellen Lettern, die mechanisch durch verschiedene gezahnte Signaturen an den Schriftkegeln unterschieden werden konnten, um die automatische Ablage zu ermöglichen. Dieses Prinzip wurde bei späteren Erfindungen, wie zum Beispiel der Linotype, wieder aufgegriffen. Nachteil der Konstruktion von Sörensen: Für die Bedienung der Maschine waren drei Arbeiter erforderlich, wodurch die vermeintliche Zeitersparnis gegenüber dem Handsatz wieder verspielt wurde.

 

Charles Kastenbein erhielt 1869 ein englisches Patent auf die von ihm konstruierte Setzmaschine. Auch hier erfolgte der Ausschluss per Hand, bei der eigens entwickelten Ablegemaschine mussten die Typen per Hand angereicht werden.


paige18.000 Einzelteile: die Setzmaschine von James Paige. Neue Wege ging dann 1871 Charles S. Westcott, der erstmals eine Schriftgießmaschine mit einem Setzapparat kombinierte, so dass die auf der Klaviatur angesteuerte Type jedes Mal neu gegossen wurde. Das zeitaufwändige Ablegen konnte so gänzlich vermieden werden. Nachteile der Setzmaschine: Sie konnte nicht automatisch ausschließen, arbeitete zu langsam und war von der Konstruktion her zu kompliziert und somit verhältnismäßig störanfällig. James Paige gelang 1872 schließlich als erstem die Konstruktion einer Maschine, die automatisiert die Zeilen ausschließen und den Satz ablegen konnte.

 

John Hooker baute 1877 in London eine elektrische Setzmaschine für die Druckerei Clowes. Er ersetzte die Tastatur durch kleine Kupferplatten, mit denen elektrische Schaltkreise geschlossen werden konnten. Berührte der Setzer mit einem speziellen Stift das zu einer Type dazugehörige Kupferplättchen, so steuerte er einen Elektromagneten an, der die gewünschte Letter frei gab. Mit dieser Maschine konnte jedoch nur glatter Satz ohne Versalien produziert werden. Aufwändige Nacharbeit per Hand war erforderlich.

 

Dass sich das Prinzip der Typensetzmaschine nicht durchsetzen konnte, liegt primär im Material des Handsatzes begründet, welches nur schwierig maschinell zu handhaben ist. Hinzu kommt, dass das Letternmetall sehr weich ist, wodurch sich die Typen schnell verformen und häufig die Maschinen blockierten. Ein weiterer gravierender Nachteil ist der hohe Personalaufwand bei Typensetzmaschinen, so dass die Produktivität kaum über der des Handsatzes lag. Und somit gehörte die Entwicklung einer zuverlässig arbeitenden Setzmaschine mit zu den am schwierigsten zu lösenden Herausforderungen in der Technikgeschichte.

 

 blower1886 stellte Ottmar Mergenthaler die Setzmaschine "Blower" vor. Erst dem nach Amerika ausgewanderten deutschen Uhrmacher Ottmar Mergenthaler gelang gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Durchbruch bei der Entwicklung von Setzmaschinen. 1886 wurde in Baltimore die erste „LINOTYPE“  in Betrieb genommen. Ihr Konstrukteur taufte sie auf den klangvollen Namen „Blower“ und kein geringerer als der geniale Erfinder und Unternehmer Thomas A. Edison bezeichnete diese Entwicklung ohne zu zögern als 8. Weltwunder.  Mergenthalers Setzmaschine unterschied sich von den vorausgegangenen Konstruktionen dadurch, dass sie nicht einzelne Buchstaben setzte, sondern mit Signaturen versehene, sich in der Maschine frei bewegende Matrizen, die zu einer Zeile zusammengeführt, mit keilförmigen Spatien ausgeschlossen und anschließend komplett gegossen wurden. Die Ablage der Matrizen erfolgte in Form eines geschlossenen Kreislaufes voll automatisch. Ihren endgültigen Namen erhielt die Maschine durch ihr Funktionsprinzip „A Line of Type“ (eine Zeile Schrift) – kurz eben Linotype.  Die Setzleistung eines geübten Setzers konnte durch diese Zeilensatzmaschine auf 6000 Zeichen pro Stunde gesteigert werden. Zum Vergleich: Ein versierter Handsetzer schafft gerade einmal 1500 Zeichen.

 

1890 wurde erstmals der Typograph des amerikanischen Erfinders John Raphael Rogers gebaut. Bei dieser Zeilengussmaschine befanden sich die einzelnen Matrizen als an Drähten geführte Stäbe in einem Korb. Nach Abguss der Zeile wurden sie durch Abkippen des Korbes wieder in ihre Ausgangsposition gebracht. Ein wesentlicher Nachteil der Typograph-Maschine z.B. gegenüber der Linotype-Setzmaschine bestand in der Satzgeschwindigkeit: Eine Folgezeile konnte erst „gesetzt“ werden, nachdem die Matrizen vom vorangegangenen Zeilenguss wieder in ihre Ausgangsposition gelangt waren. Nachdem die Mergenthaler Linotype Company alle US-Patente erworben und die Maschine aus strategischen Gründen in Amerika vom Markt genommen hatte, wurde in Kanada 1895 die International Typograph Co. gegründet. Von dort aus gelangte die Maschine auch nach Deutschland, wo sie von  Isidor Loewe von der Firma Ludwig Loewe & Co. in Berlin produziert wurde. Die Leistung des Typograph liegt erheblich unterhalb der weit verbreiteten Linotype-Setzmaschine. Auch der Verschleiß der Matrizen ist höher als bei Magazinmaschinen. Ungeachtet dessen war der Typograph - nicht zuletzt auch wegen der wesentlich geringeren Investitionskosten - neben der Linotype die am weitesten verbreitete Setzmaschine.

 

Als Konkurrenzmodell zur Linotype und Typograph wurde 1897 die Monotype vorgestellt. Auch bei der Monotype erfolgt die Erfassung des Textes über eine Tastatur. Dieser wird anschließend per Lochstreifen an die Gießmaschine weitergegeben, wo er ebenfalls als Zeile – jedoch in Form von Einzellettern – in Form von Bleisatz ausgegeben wird.

 

Lino- und Monotype waren bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein die dominierenden Satzsysteme, bevor sie allmählich durch den Fotosatz verdrängt wurden. Beide hatten später auch den Vorteil, dass Texte auf dem telegrafischen Weg per Lochstreifen in die Setzereien übermittelt werden konnten. Das bedeutete vor allem für die Zeitungsproduktion  eine erhebliche Zeitersparnis.