Smooth Gallery

Newsletter

*

*

(*) Pflichtfelder

Kauf von Bleisatz, Druckmaschinen & Co.

Der Markt ist unübersichtlich, auf ebay und anderen Plattformen werden zuhauf Relikte aus der Bleisatzzeit zum Kauf angeboten. Darunter auch viel Schund. Mit diesem Tutorial wollen wir ihnen zeigen, worauf es ankommt, wenn Sie Bleisatz, Druckmaschinen oder Geräte aus der Zeit des  traditionellen Buchdrucks kaufen. Dieses Kapitel wendet sich nicht an die alten Hasen, sondern an all jene, die vorhaben oder gerade dabei sind, ein Jünger der Schwarzen Zunft zu werden.

 

 

 

Nachdem der Computersatz Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Bleisatz abgelöst hatte,  landeten Satzgassen und Buchdruckmaschinen tonnenweise auf dem Schrott. Der Altmetallwert war seinerzeit weit höher als der Betrag, den man durch den regulären Verkauf der Maschinen und Bleilettern erzielen konnte. Sie wissen ja – Angebot und Nachfrage. Und damals wollte kaum jemand die angesichts der fortschreitenden Computerisierung archaisch anmutenden Relikte einer scheinbar längst vergangenen Epoche mehr haben. Zuhauf  wanderte damals wertvolles Kulturgut in die Schmelzöfen der Recyclingwirtschaft – auch wenn sich diese  seinerzeit noch anders  nannte.


 

Inzwischen ist das Überangebot von einst zur Mangelware geworden. Und zum Spekulationsobjekt: Wenn man manchmal die Preise sieht, für die heute Bleischriften und Maschinen bisweilen den Besitzer wechseln, fällt man vom Glauben ab.

 

Vieles, was auf dem Markt inzwischen als rares Kulturgut angeboten wird, ist schlicht und ergreifend Schrott, der zu weit überhöhten Preisen versilbert wenn nicht gar vergoldet werden soll. Hinzu kommt, dass viele Anbieter anscheinend der Meinung sind, dass sie für Einzelstücke weit mehr erlösen können als für komplette Sätze. Da werden Holz-, Messing- und Bleibuchstaben willkürlich auseinandergerissen und als vermeintlich wertvolle Einzelstücke, Collagen oder sogenannte Konvolute  weit über Preis verhökert.

 

Ich gebe zu: Auch ich habe auf ebay schon so manches Schnäppchen gemacht. Aber das Gros der dort feilgebotenen Artikel ist sowohl für den Sammler als auch für all jene, die damit ernsthaft produzieren wollen, wertlos. Was soll ich mit einzelnen Bleilettern, einer  Satzschublade oder einem Tiegel ohne Farbteller anfangen, wenn mir nicht ausgerechnet diese Teile – was sehr unwahrscheinlich ist – fehlen? Außerdem ist es erschreckend, dass scheinbar viele Anbieter keinen blassen Schimmer davon haben, was sie eigentlich verkaufen. So wurde erst unlängst die Spindelpresse eines Schusters als wertvolle Buchpresse bei ebay feilgeboten.

 

Um den genannten Fehlentwicklungen, die für mich schon an kulturhistorischen Frevel grenzen, nicht weiter Vorschub zu leisten, gelten für den Kleinanzeigenmarkt auf www.druckhandwerk.de ganz eindeutige Regeln: Alle Angebote, die aus der fachlichen Perspektive heraus keinen Sinn machen, werden rigoros gelöscht. Es handelt sich hier um eine Plattform von Fachleuten für Fachleute und nicht um einen Ramsch-Basar.

 

Gerade in der heutigen Zeit, in der nur noch sicher ist, dass nichts mehr sicher ist, besinnen sich viele Menschen auf alte Werte zurück. Auch der Buchdruck erlebt zur Zeit eine regelrechte  Renaissance.  Und wer schon einmal eine mit Bleisatz auf edlem Papier gedruckte Visitenkarte in den Händen gehalten hat, weiß auch warum.

 

Doch wer ohne Vorbildung – sei es als gelernter Setzer oder Drucker – sich heute der schwarzen Kunst als Hobby, Künstler oder Geschäftszweig  widmen will, läuft aufgrund des äußerst unübersichtlichen Marktangebotes Gefahr, viel Lehrgeld zu zahlen.

 

Auf vielfachen Wunsch hin nachfolgend einige Tipps, worauf angehende Gutenberg-Jünger beim Kauf von Bleisatz, Geräten und Druckmaschinen achten sollte.

 

 

1.       Grundsätzliche Fragen

a.       Welche Ziele habe ich? Wer zum Beispiel schöne Karten im Letterpress-Stil herstellen möchte, benötigt nicht unbedingt mehrere Tonnen Bleisatz, sondern investiert besser in eine Nyloprintanlage. Und wer sammeln möchte, sollte sich ebenfalls auf ein Fachgebiet festlegen, weil ansonsten aufgrund des riesigen Angebotes die Sammelwut leicht ausufern kann. Künstler, die zum Beispiel auch Linoleumschnitte selbst herstellen möchten, sind mit einer Andruckpresse besser bedient, als mit einem Tiegel. Indes wird jemand, der edle Visitenkarten herstellen will, eher einer mechanisch oder elektrisch angetriebenen Tiegeldruckpresse den Vorzug geben und gleichzeitig nach einer Reliefmaschine Ausschau halten.

 

b.      Wieviel Platz steht mir zur Verfügung? Bedenken Sie bitte, dass jede Größe und jeder Schnitt einer Schrift einen eigenen Setzkasten benötigt. Auf diese Weise kommen schnell mehrere Tonnen Blei und unzählige Setzschränke zusammen, für die man vor allem eines benötigt: viel Platz. Auch Druckmaschinen, Stapelschneider etc. sind alles andere als Leichtgewichte. Deckenlasten sind hier genauso zu beachten wie von der Druckerei eventuell ausgehende Lärmemissionen,  die das Verhältnis zu den Nachbarn zukünftig nachhaltig stören könnten. Hinzu kommt, dass die Räume für die Aufbewahrung von Bleisatz nicht feucht sein sollten und auf gar keinen Fall in der Nachbarschaft von landwirtschaftlichen Stallungen liegen sollten. Auch wenn Stallungen bereits vor Jahrzehnten aufgegeben wurden – die immer noch austretenden Ammoniakdünste bilden eine ernsthafte Bedrohung für Bleischriften und fördern den gefürchteten Bleifraß.

 

 

2.       Kauf von Bleisatz/Bleischriften

a.       In den wenigsten Fällen macht es wirklich Sinn, eine einzelne Schublade mit Bleilettern zu kaufen. Und auch bei Bleischriften gilt: Weniger ist manchmal mehr. Sie sollten daher lieber ganze Schriftgarnituren anschaffen, als unzählige Einzelschubladen mit diversen Schriftarten und -schnitten. Mit ein bisschen Glück kann man auch heute noch ganze Satzgassen aus Druckereiauflösungen kaufen. Und wenn dann wirklich eine Schriftgröße oder ein Schriftschnitt fehlen sollte, kann man ihn gezielt dazu kaufen.

 

b.      Achten Sie beim Kauf von Bleisatz auf die Qualität. Eine abgenudelte Schrift, die durch häufigen oder unsachgemäßen Gebrauch bereits breitgequetscht ist, gehört nicht in den Satzschrank sondern ins „Zeug“, wie Schriftsetzer den Abfallbehälter für kaputte Schriften nennen, die wieder eingeschmolzen werden sollen. Weiße, kristalline Beläge deuten darauf hin, dass die Schrift bereits vom Bleifraß befallen ist. Auch von solchen oxidierten Schriften sollte man lieber die Finger lassen! Vorsicht ist auch geboten, wenn man einer Schrift ansieht, welche Farben mit ihr zuletzt gedruckt wurden. Farbanhaftungen sind immer ein Indiz dafür, dass der Vorbesitzer nicht allzu sorgfältig mit den Bleilettern umgegangen ist.

 

c.       Preis-Leistungs-Verhältnis: Bleischrift ist nicht gleich Bleischrift. Ob sie hoch oder niedrig gehandelt werden, hängt unter anderem von dem Zustand der Bleischrift und ihrer Verbreitung ab. Außerdem muss man beim Kauf genau hin schauen, ob es sich wirklich um die angebotene Schrift handelt: Viele Schriftgießereien haben dem Zeitgeist entsprechend ähnliche Schriften aufgelegt, die sich bisweilen nur in Nuancen unterschieden haben. Für die Bestimmung der genauen Schrift gibt es Fachbücher, wie zum Beispiel „Seemann – Handbuch der Schriftarten“. Auch digitale Schriftmusterbücher können Anhaltspunkte liefern. Doch aufgepasst: Während früher jede einzelne Schriftgröße in den Schriftgießereien „geschnitten“ wurde, handelt es sich bei digitalen Fontsätzen um frei  skalierbare Schriften. Im Klartext: Gleich ob 8 Punkt oder 24 Punkt – digitale Schriften sehen immer gleich aus, während sich Petit und Doppelcicero im Bleisatz bisweilen deutlich in Ihren Nuancen unterscheiden.

 

d.      Achten Sie unbedingt auf die Schrifthöhe: Wer mit dem Heidelberger Tiegel  oder einer Andruckpresse mit feststehendem Formbett druckt, kann keine Schriften gebrauchen, die vor der Einführung der Deutschen Einheitshöhe produziert wurden. Hinzu kommt, dass viele Druckereien auch nach der Normierung ihre eigene Haushöhe hatten. Wer hingegen mit einem alten Handtiegel produzieren will, kann diesen Aspekt meisten außer acht lassen.

 

Angebote für Bleisatz finden Sie auch in unserer Kleinanzeigen-Rubrik  such&find unter "Bleisatz & Co."

 

 

Kauf von Druckmaschinen und Geräten (in Arbeit)