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Tiegeldruckpressen

Tiegeldruckpressen sind Handpressen oder Druckmaschinen, die für den Hochdruck konzipiert wurden. Bei allen Tiegeldruckpressen, ganz gleich welcher Konstruktion, sind Druckkörper (Drucktiegel) und Formenträger (Fundament) ebene Flächen. Die bedruckte Fläche entsteht durch Berühren der beiden Ebenen, der Druckform und des Drucktiegels, man spricht deshalb beim Tiegeldruck auch vom Flächendruck.

Es gibt vier verschiedene Bauarten, wobei die beiden letzteren eher selten anzutreffen sind: nach dem Gally-System, dem Boston-System, dem Liberty-System und dem Gordon-System.

1870 baute J. M. Gally in Amerika die erste Gally-Presse. Das Formbett ist wie bei der Boston-Presse senkrecht feststehend. Der Drucktiegel, von Zugstangen bewegt und von einer Führungskurve ausgerichtet, kippt auf Gleitschienen hoch und wird parallel zum Druck geführt. Unterstützt wird die Parallelstellung durch die Führungsknaggen, die in der Druckstellung des Tiegels über und unter die Gleitbahnen greifen und den Tiegel verriegeln.

Die Stärke des Aufzuges hat im Gegensatz zum Bostontiegel keinen Einfluss auf einseitiges Ausdrucken. Die Druckstärke kann durch den Druckstellexzenter unter ständiger Beibehaltung der Parallelstellung eingestellt werden. Druckformen sollten, um der Gefahr des Kippens auszuweichen, nach ihrer benötigten Druckkraft, nicht nach den äußeren Ausmaßen, auf Mitte geschlossen werden. Durch den Anbau von Bogenan- und -ablegeapparaten wurden diese Tiegel häufig automatisiert. Die Apparate sind abfahrbar oder abschwenkbar, so dass auch die Handanlage noch weiter möglich ist. Dadurch war die Maschine vielseitig zu verwenden.

Bekannte Konstruktionen nach dem Gally-System sind die Victoria-Tiegelpressen, Phönix-Tiegelpressen sowie die Original Heidsieck-Tiegeldruckpressen.

Die erste Boston-Presse wurde 1858 von J. Golding in Boston (Amerika) gebaut. Das Formbett ist fest mit dem Grundgestell verbunden, der Drucktiegel bewegt sich um eine Achse ähnlich einem auf- und zuklappenden Deckel. Bei der Druckregulierung schwenkt die obere Tiegelkante weiter aus als die untere, hierdurch entstehende ungleiche Druckspannung wird durch entsprechende Aufzugstärke ausgeglichen. Bostonpressen sind noch vielfach als kleinformatige Handtiegel für einfachste Arbeiten in kleiner Auflage anzutreffen.

Der vollautomatische Original Heidelberger Tiegel (OHT)  ist die bekannteste Maschine nach dem Bostonprinzip. Der kräftige Kniehebelantrieb gibt der Maschine hohe Druckkraft und eine große Geschwindigkeit. Der Drucktiegel muß beim Druckvorgang parallel zur Form stehen, andernfalls würde der Druck einseitig sein, also oben oder unten stärker ausfallen. An diesen Maschinen muss unbedingt die Aufzugsstärke strikt eingehalten werden. Wenn der Druck unten stärker ist, muss der Aufzug verringert und der Druck im Ganzen nachgestellt werden. Ist der Druck oben stärker, so ist entgegengesetzt zu verfahren.

Die Liberty-Presse wurde als eine Tiegeldruckpresse 1875 gebaut von den Deutschamerikanern Friedrich Otto Degener und Max Weiler. Druckfundament und Drucktiegel schwingen zueinander und auseinander von einer gemeinsamen Achse aus, daher werden diese Tiegel auch Scharnierpressen genannt.


Um 1855 baute Geo  P. Gordon, ebenfalls in Amerika, die erste Gordon-Presse. Drucktiegel und Fundament schwingen ebenfalls zueinander und auseinander, bewegen sich jedoch auf zwei getrennten Achsen. Diese Pressen, ebenso auch die Libertypressen, sind nur mehr vereinzelt vorhanden.

Das Farbwerk von Tiegeldruckpressen

farbwerk-tiegelWenn man von dem einfachen Tellerfarbwerk der kleinen Bostonpressen absieht, haben die Tiegel ebenso ein Zylinderfarbwerk wie die Schnellpressen. Bei den Tiegeln werden aber die Auftragwalzen zum Farbauftrag vom Farbzylinder über die feststehende Druckform hinweg geführt. Sie sind in einem Walzenstuhl befestigt und werden durch die Laufrollen, die auf Laufschienen gepresst sind, in Drehung versetz. Solange die Walzen den gleichen Umfang haben wie die Laufrollen, erfolgt das Abrollen über die Form ohne wesentliche Schwierigkeit.

Die Empfindlichkeit der Walzen für Temperaturen und Feuchtigkeitseinflüsse führt aber leicht zu Umfangsänderungen, so dass häufig der Umfang der Walzen und der Laufrollen nicht übereinstimmen und Walzenschmitz entsteht. Das Einschließen schrifthoher Stege in die Form kann Abhilfe schaffen. Beim Auswechseln der Auftragswalzen ist der komplette Satz zu erneuern, da Unterschiede im Umfang nicht ausgeglichen werden können und ein Höher- oder Tieferstellen der Walzen durch ein Verstellen der Laufschienen nur im gesamten erfolgen kann. Die neuen Walzen müssen aus einem Guss stammen. Bei Formen mit unterschiedlich hohem Schriftmaterial ist es notwendig, die Walzen so tief zu stellen, dass alle Buchstaben eingefärbt werden. Zweckmäßigerweise werden die Formteile durch eine Zurichtung hinter der Form auf gleichmäßige Höhe gebracht.

Beim Farbwerk an Tiegeldruckpressen können die Auftragswalzen die Farbe, die sie beim Abwärtsgehen abgeben, nicht ergänzen, so dass besonders bei empfindlichen Formen Einfärbungsschwierigkeiten auftreten. An größeren Tiegeln versucht man diesem Problem dadurch zu begegnen, dass beim Abwärts- und Aufwärtsgehen je zwei Walzen abwechselnd einfärben. Auch das Aufsetzen von Stahlreitern auf die Auftragswalzen soll diesen Effekt begegnen. Eine Tiegelkonstruktion verwendet ein sogenanntes Doppelfarbwerk, bei dem die Auftragswalzen in der untersten Stellung mit Verreibewalzen in Berührung kommen, welche die unterschiedliche Farbmenge auf den Auftragswalzen etwas ausgleichen.