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Gedicht "Ruhm eines Schriftsetzers", 18. Jahrhundert

Der Setzer trotzet nicht auf seiner Glieder Kraft;
Nur ein geschärfter Sinn ist seine Eigenschaft.
Nie darf vor seinem Arm die Druckerpresse zittern:
Er suchet seinen Ruhm bey Manuscript und Littern.
Sein Werk erfordert nicht viel Arbeit, Müh' und Schweiß,
Und dennoch wird sein Kopf ihm öfters warm und heiß,
Wenn ihm das günst'ge Glück ein Manuscript bescheeret,
Daraus er rathend kaum des Autors Sinn erfähret.
Doch ist das Manuscript vollkommen deutlich, rein,
Wer kann da fleißiger als ein Schriftsetzer seyn?
Er setzet schnell drauf los, daß ihr euch wundern müsset,
Wenn ihr nicht seinen Griff und seinen Vortheil wisset;
Ein Comma und noch mehr nimmt er sich in den Sinn;
Geflügelt eilt die Hand zu denen Fächern hin,
Und weis so meisterlich die Littern zu ergreifen,
Daß sich in kurzer Zeit so Wort als Zeilen häufen,
Er schnellt und sticht drauf los, und zwar mit Vorbedacht;
Er nimmt Orthographie, Distinction in Acht;
Und daß die Correctur ihn weniger verweile,
Durchliest und bessert er zuvörderst jede Zeile.
Ja, über seiner Pflicht, merkt er zu gleicher Zeit
Auch auf das Manuscript und dessen Richtigkeit,
Und wo Zusammenhang und Ordnung außen bleiben,
Dahin wird er gewiß ein Notabene schreiben.
Sein Sinn begnügt sich nicht bloß mit Schriftsetzerey;
Er ist ein Criticus, er schließt und denkt dabey;
Er hilft ein kluges Buch durch seine Kunst vollenden,
Und weiß desselben Wert selbst richtig anzuwenden.
Da nun ein kluges Buch den Wissenschaften nützt,
Den Aberglauben schwächt, Vernunft und Wahrheit schützt;
Dem wildesten Barbar die Menschheit wieder giebet,
So wird der Setzer nie genug geschätzt, geliebet.
Ihr Dichter dieser Zeit, schenkt ihm ein Heldenlied;
Macht ihn Titanen gleich, vor die der Schatten flieht;
Vielleicht gelingt es euch, ihn würdig zu erheben;
Vielleicht wird er euch selbst geneigt Gehöre geben.
Nein! Euer Ruhm und Preis rührt den Schriftsetzer nicht,
Weil jedes neue Buch von seiner Würde spricht.
In jeglicher Column', die er auf's Brett geschoben,
Bleibt auch des Setzers Ruhm auf ewig aufgehoben.