Setzerlied (Lied der Schriftsetzer)
nach der Melodie „Der fidele Kupferschmied“ oder „Am grünen Strand der Spree“
Wenn wir an unserm Kasten stehn,
Den Löffel in der Hand,
Gedankenvoll dann um uns sehn,
So hellt sich der Verstand,
Manch Bild vor unserm Aug`entsteht,
Zieht rasch und leis vorbei:
Die Welt im Allgemeinen gleicht
'ner großen Druckerei.
Aus edlen Massen, zart und weich,
Goß uns Natur ins Land,
Kindheit verfloß, an Freuden reich,
An treuer Mutter Hand.
Die Schulzeit kam und hob uns aus
aufs Setzschiff der Kultur.
Die Lehrzeit teilte hart uns ein,
Vertilgt´der Kindheit Spur.
Das Leben seine Mängel hat,
´s gibt Bengel mancherlei,
Auch hat es Filze in der Tat,
Wie jede Druckerei.
Den Korpus jeder pflegen will,
„Bourgeois wird lebensfroh“,
Manch Großmaul, das nie schweiget still,
Meint, ´s sei ein Cicero.
So wandert man wohl manches Jahr
zur Küste Heiligtum
Des Lebens Sonne bleicht das Haar
Und zieht den Rücken krumm.
Und ist dahin der Jugend Frisch´,
Die letzte Kraft entflohn,
Dann wird der Mensch zum Zwiebelfisch
Mit ew´ger Kondition.
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